Standortregion Zürich Nordost

Die Region Zürich Nordost liegt im Zürcher Weinland. Sie umfasst elf Gemeinden, die zusammen knapp 16 000 Einwohnerinnen und Einwohner zählen und sich über eine Fläche von gut 87 Quadratkilometer erstrecken. Auf ihrem Gebiet könnten sich dereinst unterirdische und oberirdische Infrastrukturanlagen des geologischen Tiefenlagers befinden. Sie werden deshalb Infrastrukturgemeinden genannt. Zur Standortregion gehören zudem über 30 weitere Gemeinden, auch aus den Nachbarkantonen und Deutschland, die von einem möglichen Tiefenlager betroffen sind.

Ob Zürich Nordost tatsächlich zum Tiefenlager-Standort für radioaktiven Abfall in der Schweiz wird, entscheidet sich voraussichtlich ab dem Jahr 2022. Alternativ stehen die Regionen Nördlich Lägern und Jura Ost zur Diskussion (mehr zum Prozess der Standortsuche hier).

Warum hier?

Die Sicherheit für Mensch und Umwelt hat oberste Priorität bei einem geologischen Tiefenlager für radioaktive Abfälle. Die wichtigsten natürlichen Barrieren sind stabile und dichte Gesteinsschichten. Sie sollen verhindern, dass Radioaktivität aus dem Tiefenlager austreten kann. Im Zürcher Weinland liegt mit dem Opalinuston ein Gestein für das Tiefenlager vor, das praktisch wasserundurchlässig ist und sich selbst abdichtet, wenn es mit Wasser in Kontakt kommt.

Das Platzangebot für unterirdische Lagerkavernen ist in Zürich Nordost gemäss heutiger Kenntnis gross genug, weshalb diese Region als Standort für ein mögliches geologisches Tiefenlager für schwach- und mittelaktive (SMA) sowie hochaktive radioaktive Abfälle (HAA) infrage kommt. Geologen beurteilen zudem die Langzeitstabilität der Gesteinsschicht als günstig. Die Opalinustonschicht liegt in Zürich Nordost in einer Tiefe von rund 500 bis 750 Metern und ist gut 110 Meter mächtig. Die geologischen Schichten fallen gegen Südosten hin ab. Die Gesteinsschichten sind sehr ruhig gelagert.

Regionale Partizipation

Seit 2011 können sich die betroffenen Regionen aktiv in den Prozess der Standortsuche für das geologische Tiefenlager einbringen. Dazu wurde die Regionalkonferenz Zürich Nordost gegründet. Sie umfasst gegen 130 Personen aus den Gemeinden, Planungsverbänden, Interessengruppen und der Bevölkerung.

Standorte für Oberflächeninfrastruktur zur Diskussion

Derzeit werden in Zusammenarbeit mit der Regionalkonferenz Zürich Nordost die Standorte für die Oberflächeninfrastruktur des Tiefenlagers beurteilt und optimiert. Dabei handelt es sich unter anderem um das (oberirdische) Tor zum unterirdischen Tiefenlager (die sogenannte Oberflächenanlage OFA), Gebäude für den Bau, Betrieb und Unterhalt, Lüftungsschächte und die Zufahrtsinfrastruktur. Für die Oberflächenanlage ist eine Fläche von bis zu acht Hektaren nötig. Das ist eine Fläche von 200 mal 400 Metern, was rund elf Fussballfeldern entspricht. Die gesamte Infrastruktur an der Erdoberfläche (inkl. Bauinstallationsflächen) benötigt eine Fläche von bis zu 20 Hektaren.

Eine wichtige Fragestellung bei der Platzierung der Oberflächenanlage ist deren Lage in Bezug auf das Grundwasser. So lehnt der Kanton Zürich eine Platzierung von Anlagen, in denen mit nuklearem Material umgegangen wird, über strategisch wichtigen Trinkwasserressourcen ab (mehr dazu hier).

In Zürich Nordost stehen derzeit folgende Standorte für die Oberflächenanlage zur Diskussion (vgl. Karte). Ob die Region weitere mögliche Standorte vorschlägt, ist abzuwarten:

  • ZNO-1: Das Standortareal ZNO-1 liegt in der Gemeinde Rheinau beim sogenannten «Rinauer Feld». Für den Zürcher Regierungsrat ist eine Platzierung der Oberflächenanlage in diesem Gebiet keine Option. Dies, weil eine hydrologische Verbindung vom Rinauer Feld zum strategisch wichtigen Rheingrundwasserstrom nicht auszuschliessen ist.
  • ZNO-6b: Das Standortareal ZNO-6b befindet sich im Gebiet «Ooobistboden» auf dem Gemeindegebiet von Marthalen. Aus Sicht der Zürcher Regierung kann dieser Standort weiterverfolgt werden, da er lediglich ein kleines, isoliertes und nicht genutztes Grundwasservorkommen mit lokalem Charakter betrifft.